7 Bundesländer, eine Plattform: DiPlanung macht Planungsverfahren digital
Infrastrukturprojekte scheitern in Deutschland oft nicht am Willen, sondern an der Dauer. DiPlanung bündelt Planungs- und Genehmigungsverfahren auf einer bundesweiten digitalen Plattform. Wir entwickeln gemeinsam mit weiteren Partnern zentrale Komponenten dieser Lösung.
Stromtrassen, Schienenwege, Wohngebiete – der Bedarf an Infrastruktur in Deutschland ist groß. Die Verfahren dahinter dauern oft lange. Föderale Zuständigkeiten, unterschiedliche Fachgesetze und papiergebundene Abläufe bremsen Vorhaben nicht selten um Jahre. Um diesen Bürokratiestau zu lösen, verabschiedete die Bundesregierung im November 2023 den Pakt für Planungs-, Genehmigungs- und Umsetzungsbeschleunigung mit rund 100 Maßnahmen.
DiPlanung ist ein zentrales technisches Umsetzungsinstrument der im Pakt beschlossenen Digitalisierungsziele. Die Plattform vereinfacht Planungs- und Genehmigungsverfahren durchgängig – von der Bauleitplanung über die Raumordnung bis zur Planfeststellung. Laufende Verfahren und alle zugehörigen Unterlagen sind öffentlich einsehbar. Bürger:innen können sich ohne Registrierung beteiligen und Stellungnahmen digital einreichen.
]init[ entwickelt gemeinsam mit weiteren Partnern im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen der Freien und Hansestadt Hamburg (BSW) wesentliche Komponenten dieser Lösung.
Von Hamburg zur bundesweiten Plattform
Unsere Zusammenarbeit mit der BSW rund um DiPlanung reicht bis 2017 zurück. Damals startete das Projekt als Digitalisierungsvorhaben für die Verfahrenssteuerung der Stadt- und Landschaftsplanung. Gemeinsam mit den Hamburger Behörden entwickelten wir das DiPlan-Cockpit – einen digitalen Assistenten, der Bauleitplan-, Flächennutzungsplan- und Landschaftsprogrammverfahren zentral steuert.
Das Cockpit ging in den Produktivbetrieb: Bestandsverfahren wurden migriert, neue Verfahren gestartet. Ab Mitte 2022 folgte die Umsetzung als EfA-Lösung im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes. So wurde das Hamburger Cockpit zur Blaupause für eine bundesweit nachnutzbare Anwendung.
Ende 2024 kam ein weiterer Auftrag hinzu: die Weiterentwicklung im Kontext der Planungsbeschleunigung. Ziel ist eine Plattform, die über die Bauleitplanung hinaus auch Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte abbildet – von Wasserstoffleitungen bis Windkraftanlagen.
Eine Produktfamilie für alle Planverfahren
DiPlanung ist modular aufgebaut und wird von mehreren Projektpartnern umgesetzt. Die Komponenten bilden zusammen eine durchgängige digitale Prozesskette – vom Planungsanstoß bis zum Beschluss.
Unser Entwicklungsteam verantwortet DiPlanCockpit – das Kontrollzentrum für Sachbearbeitende. In der Version BASIS legen sie Planverfahren an und stellen Planwerke XPlanung-konform bereit. Die Version PRO bildet eine vollständig digitalisierte Prozesskette gemäß OZG 2.0 ab – vom Planungsanstoß bis zum Inkrafttreten. So entsteht ein Werkzeug, das Effizienz und Rechtssicherheit verbindet.
Neben dem DiPlanCockpit verantwortet ]init[ auch die Entwicklung von DiPlanPotenziale. Die Komponente erfasst systematisch kommunale Wohn- und Gewerbepotenzialflächen und stellt sie strukturiert für die Bauleitplanung bereit. So werden Flächenreserven frühzeitig sichtbar – als datenbasierte Grundlage für fundierte Planungsentscheidungen.
Technische Grundlage aller Module ist der bundesweit verbindliche Datenstandard XPlanung. Er sichert strukturierte, maschinenlesbare Plandaten und eine einheitliche Kommunikation zwischen beteiligten Systemen.
Komplexität steuern, Zusammenarbeit sichern
DiPlanung ist ein Vorhaben mit hoher Komplexität: Mehrere Projektpartner entwickeln Module und Schnittstellen parallel. Anforderungen kommen aus unterschiedlichen Rechtsgebieten – Bauleitplanung, Raumordnung, Planfeststellung. Dazu kommen föderale Abstimmungsprozesse und politischer Zeitdruck.
In diesem Umfeld übernehmen wir Aufgaben, die über die reine Softwareentwicklung hinausgehen. Unsere Software-Architekten beraten übergreifend zur Gesamtarchitektur der Plattform. Unser DevOps-Team steuert den zentralen Betriebs- und Deploymentprozess. Im Qualitäts- und Testmanagement haben unsere Test Engineers gemeinsam mit allen Dienstleistern verbindliche Standards etabliert – von der Anforderungsaufnahme bis zum Release. Zu jeder Auslieferung erstellen sie einen Testreport mit Risikoabschätzung und Deployment-Empfehlung.
In einem Projekt mit sieben Partnern und komplexen Zuständigkeiten ist unser Projekt- und Stakeholder-Management gefragt: proaktive Beratung, klare Prozesse und die Bereitschaft, Verantwortung auch dort zu übernehmen, wo Rollen nicht eindeutig definiert sind.
Mit ]init[ arbeiten wir seit 2017 an einem Vorhaben, das weit über Hamburg hinausgewachsen ist. Was als Digitalisierungsprojekt für die Bauleitplanung begann, ist heute eine bundesweit nachnutzbare Plattform. Diese Entwicklung war möglich, weil ]init[ nicht nur technisch liefert, sondern Verantwortung in einem komplexen Partnernetzwerk übernimmt.
Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen der Freien und Hansestadt Hamburg
Ausblick: Skalieren und erweitern
DiPlanung ist in sieben Bundesländern auf Basis des Verwaltungsabkommens über die Zusammenarbeit bei der Digitalisierung im Bereich Planen und Bauen (VDiPB) im Einsatz. Über 1.000 Administratoren haben sich registriert. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern laufen Gespräche zur Einführung.
2025 markierte den Übergang von der Bauleitplanung zur Infrastrukturbeschleunigung. Im Rahmen eines Bund-Länder-Kooperationsvorhabens der Freien und Hansestadt Hamburg und des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) wurden die Komponenten von DiPlanung weiterentwickelt und um neue Dienste ergänzt. Das Ergebnis: Planfeststellungsverfahren für den Bau von Leitungen des Wasserstoffkernnetzes lassen sich digital gestützt, medienbruchfrei und bundesweit einheitlich durchführen. Seit November 2025 steht die Plattform Behörden und Vorhabenträgern zur produktiven Pilotnutzung zur Verfügung. Weitere Anwendungsfälle sind vorgesehen – etwa Stromtrassen, Gasleitungen, Fernwärme, Schiene und Windkraft. Parallel entsteht eine föderale Governance zur gemeinsamen Weiterentwicklung.
Auch den Einsatz von KI-Technologie erproben wir. Die KI-Komponente des Bundes zur Unterstützung von Planungs- und Genehmigungsprozessen ist entwickelt und als Proof of Concept in DiPlanung integriert. Der produktive Einsatz wird derzeit abgestimmt. Ziel ist, DiPlanung als zentrale Plattform weiter auszubauen, um Planungsverfahren nachhaltig einfacher zu gestalten.
Unsere Leistungen im Projekt
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Anne Pohl
New Business
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